Die Anamnese und Diagnostik


An erster Stelle einer umfassenden Diagnostik steht immer das Gespräch (Anamnese/ Krankheitsvorgeschichte) mit dem Arzt. Das ist in der Kinderwunschbehandlung nicht anders.
Anders ist jedoch, dass Sie hier auch Fragen beantworten, die Ihre Gefühlswelt betreffen oder Teil Ihrer Intimsphäre sind. Deshalb ist es gut zu wissen, dass wir, die wir uns sich in diesem Gebiet qualifiziert haben, um diese spezielle Problematik wissen und darauf eingestellt sind. Wir werden Sie und Ihren Partner mit allen Ihren Wünschen, Sorgen oder Unsicherheiten jederzeit ernst nehmen.
Grundsätzlich sollten sich beide Partner untersuchen lassen. Denn Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit lassen sich bei Mann und Frau in etwa gleich häufig finden. Und die Auswirkungen beeinflussen in komplexer Weise das gemeinsame Leben und den Alltag des Paares. Nur wenn alle Gründe diagnostiziert sind, kann eine sinnvolle und Erfolg versprechende Kinderwunschbehandlung eingeleitet werden.
Für Sie kann es hilfreich sein, sich einige Fragen, die Sie uns stellen wollen, im Vorfeld aufzuschreiben. Wenn Sie etwas nicht verstanden haben, sollten Sie unbedingt stets noch einmal nachfragen. Außerdem ist es wichtig, alle Befunde eventuell vorangegangener Untersuchungen und gegebenenfalls Operationsberichte mitzunehmen.
Fragen, die wir Ihnen zur Vorgeschichte stellen, um uns ein Bild über den bisherigen Verlauf Ihrer Kinderlosigkeit zu machen, könnten in etwa lauten:

 

  • Wie lange besteht bei Ihnen ein Kinderwunsch?
  • Waren Sie schon früher wegen Ihres Kinderwunsches in ärztlicher Behandlung?
  • Haben Sie eine eigene Erklärung für Ihre Kinderlosigkeit?
  • Wie sehr leiden Sie beide unter der Kinderlosigkeit?
  • Was hat sich in Ihrem Leben durch die Unfruchtbarkeit verändert (Partnerschaft, Beruf, Selbstwertgefühl)?

Die Untersuchungsmethoden beim Mann


Tast- und Ultraschalluntersuchung


Der Mann wird zur Abklärung der Kinderlosigkeit einen Urologen oder Andrologen (Facharzt für Erkrankungen der männlichen
Geschlechtsorgane) aufsuchen. Dort wird zunächst eine Tastuntersuchung durchgeführt. Hierbei wird nach Auffälligkeiten in Hoden und Nebenhoden gesucht. Die Prostata wird über den Enddarm ertastet. Zu einer umfassenden Untersuchung gehören auch die Sonographie (Ultraschall) von Hoden und Prostata.


Untersuchungen des Samens


Die Zeugungsfähigkeit des Mannes kann durch die mikroskopische Beurteilung des Samens festgestellt werden. Die durch Masturbation gewonnenen Samenzellen werden unter dem Mikroskop auf Form und Beweglichkeit hin untersucht. Da die Spermienfunktion sehr schwanken kann, wird die Untersuchung zweimal in einem Abstand von mindestens drei Monaten durchgeführt. Werden keine oder nicht genügend intakte Spermien im Ejakulat gefunden, kann eine Gewebeprobe aus dem Hoden erforderlich sein. Sie dient zur Feststellung, ob eine Störung in der Samenzellproduktion vorliegt.

Hormonwertbestimmungen


Eine zu geringe Spermienproduktion kann durch eine Störung im Hormonhaushalt verursacht werden. Um eine solche Störung ausschließen zu können, werden Hormonwertbestimmungen im Blut gemacht. Hormonelle Störungen beim Mann sind allerdings deutlich seltener als bei der Frau.
Genetische Untersuchungen
Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit bei einer zu geringen Anzahl von Samenzellen ist die Suche nach genetischen Auffälligkeiten. Dies ist durch eine einfache Blutprobe möglich, die in einem Labor überprüft wird.


Untersuchungsmethoden bei der Frau

Tastuntersuchung


Bei der gynäkologischen Untersuchung wird zunächst durch eine Tastuntersuchung festgestellt, ob Auffälligkeiten an den Geschlechtsorganen oder andere Veränderungen am Körper vorliegen, die eine Unfruchtbarkeit bedingen könnten.

Ultraschalluntersuchungen


Im nächsten Schritt werden die Fortpflanzungsorgane mit Hilfe eines Ultraschallgerätes genauer untersucht. Diese schmerzlose und ungefährliche Untersuchung erfolgt durch die Scheide, da so die beste Ansicht der Eierstöcke, Eileiter und Gebärmutter gewährleistet ist.

Hormonwertbestimmungen


Um eine Störung der Eizellreifung auszuschließen, werden an bestimmten Tagen im Monatszyklus die Werte verschiedener Hormone im Blut bestimmt. Zu Zyklusbeginn werden zum Beispiel Östrogen, LH, FSH, Androgene und Prolaktin bestimmt. Auch das Schilddrüsenhormon TSH wird überprüft, da sich ein zu niedriger wie auch ein zu hoher TSH-Wert negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken kann. In der zweiten Zyklushälfte werden eventuell die Progesteron- und Östrogenwerte gemessen.

Eileiteruntersuchung


Besteht der Verdacht, dass eine Schädigung an den Eileitern vorliegt, können bildgebende oder operative Untersuchungs- methoden eingesetzt werden. Ein Bild gebenden Verfahren ist die Ultraschall - Kontrastmittelunter- suchung zur Überprüfung der Eileiterdurchgängigkeit. Diese Untersuchung kann ambulant und ohne Narkose bei uns durchgeführt werden. Zu einer genaueren Abklärung kann es jedoch sinnvoller sein, daß wir eine Bauchspiegelung Mit Kontrastmittel gefüllter Eileiter vornehmen.


Bauchspiegelung


Die Bauchspiegelung wird unter Narkose durchgeführt. Zunächst führen wir durch einen sehr kleinen Bauchschnitt unter dem Nabel ein röhrenförmiges Instrument (Laparoskop) in die Bauchhöhle ein. Dieses Instrument ist durch eine Kamera an einen Monitor angeschlossen, so dass wir uns ein sehr genaues Bild von den Fortpflanzungsorganen machen können. Über das Laparoskop werden, wenn notwendig, auch Zysten, Verwachsungen oder Endometriosegewebe entfernt.
Mit dieser Untersuchung verbundene mögliche Komplikationen sind sehr selten. In erster Linie können hierbei Verletzungen innerer Organe oder Infektionen auftreten. Ebenfalls sehr selten sind Probleme, die in Verbindung mit der Narkose stehen können.

Gebärmutterspiegelung


Um Fehlbildungen, störende Muskelknoten (Myome) oder Schleimhautveränderungen in der Gebärmutterhöhle festzustellen, wird eine dünne Optik über die Scheide in die Gebärmutter eingeführt. Mit dieser Methode können wir die Gebärmutterhöhle und die Abgänge der Eileiter anschauen – und, wenn nötig, sogar kleine Operationen durchführen.

Zyklusüberwachung


Kontrolle des natürlichen Zyklusablaufes, meistens zu drei verschiedenen Terminen, mit Hormonbestimmungen und Ultraschallkontrolle von Eierstöcken und Gebärmutterschleimhaut, eventuell auch Postkoitaltest, um Störungen und grundsätzliche Ansatzpunkte für eine Behandlung zu erkennen.